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Dienstag, 1. Januar 2013

Dienstagsfrage 1/2013

Kaum hat das Jahr begonne, da kommt auch schon das Wollschaf. Diese Woche fragt es:
Einige (viele) von euch scheinen ja sehr fleissige Strickerinnen zu sein – fast jede Woche ist ein fertig gestelltes Teil (und kein Kleines) zu bewundern. Und die laufenden “knitmeter” fuehren bald um den Erdball.
Wieviel Zeit verbringt ihr eigentlich taeglich / woechentlich mit Stricken? Haettet ihr gerne (noch) mehr Strickzeit. oder ist eure Strickzeit ausreichend?
Vielen Dank an Connie für die heutige Frage!
Das Wollschaf wünscht allen ein gutes Neues Jahr!


Ach wie schön, eine inspirierende Frage direkt an Neujahr!

Grade habe ich bei Ravelry von einer Frau gelesen, dass sie gerne dieses Jahr ein Oberteil für sich selbst stricken möchte, aber fast keine Zeit hat. Diesen Bezug finde ich sehr merkwürdig.

Stricken - das liebe ich am meisten an diesem Sport - ist nichts, was sich beschleunigen lässt, nichts, was Abkürzungen, husch-husch oder Fließbandmäßiges verzeiht. Das ist ein Prozess, der es erlaubt, bei der Entstehung von Dingen zuzuschauen, die kleinen Erfolge zu feiern und aus Misserfolgen wenigstens eine möglichst gute Geschichte zu machen. Das ist eine Lebensform, der die Langsamkeit fast zwangsläufig inhärent ist. Und gleichzeitig braucht sie nicht wirklich Zeit, weil solche Zeit nie allein für Stricken draufgeht. Damit verliert sich der Bezug zwischen "ich hätte gerne ein Oberteil für mich" und "ich habe fast keine Zeit".

Ich habe vor Weihnachten für eine Aktion in der Firma 80 kleine Säckchen genäht. Fließbandarbeit, 50 an einem Sonntag rausgehauen, immer dieselben Bewegungen, das Ganze in Abfolgen segmentiert und gerödelt. Das hat nichts Magisches, da gibt es keine Stadien des Wachsens, ein Ding braucht sieben Minuten und gut. Stricken ist anders. Selbst ein Cowl aus Baumstammgarn, gestrickt in einer Stunde, muss wachsen, funktioniert, scheitert, geht weiter, bleibt stehen, muss geprüft werden, ob das Garn und das Muster zusammenpassen.

Was ich sagen möchte: Stricken wird für mich mehr und mehr ein Symbol für einen Lebensstil. Unsere Welt beschleunigt sich zunehmend. Ich kann mich in Echtzeit mit jemand auf der anderen Seite des Erdballs unterhalten, ich kann geschäftliche Verabredungen innerhalb einer Stunde treffen und in der nächsten Stunde umsetzen, die sieben Länder in vier Kontinenten betreffen. Ich kann ein Buch aus Flensburg um drei Uhr nachmittags bestellen und am nächsten Tag abholen - oder es direkt in einen Bookreader packen und anfangen zu lesen. Aber ich kann nicht etwas schneller fertigen, als meine Handwerkskunst das erlaubt. Die Dinge brauchen Zeit zu werden und ich gebe ihnen die Zeit, indem ich mich hinsetze und meine Finger zum Werkzeug dieser Entstehung mache, indem ich immer dann stricke, wenn meine Hände nicht für etwas anderes gebraucht werden.

Okay, das ist jetzt etwas sehr philosophisch in Bezug auf die Originalfrage, aber genau das passt. Es geht nicht darum, wie viele Stunden ich stricke, und es geht noch viel weniger drum, ob ich gerne mehr oder weniger Zeit hätte. Es geht darum, dass Stricken sich in ein ganz normales Leben einfügt und darauf erheblichen Einfluss nimmt. Ich hab das letzte Jahr bestimmt ein Drittel meiner Strickzeit im Zug verbracht. Zählt das als Strickzeit oder Reisezeit, zählt das als Arbeitszeit? Ich habe mehr und mehr Besprechungen im Zug und selbst völlig strickunkundige Menschen verstehen, dass mein Strickzeug hilft, Entscheidungen zu verlangsamen, der Drehwurm einer Socke Zeit gibt, Dinge genauer zu diskutieren und klug zu durchdenken. Gibt sogar Leute, mit denen ich extra langsamere Züge nehme, um mehr Zeit für diese Entstehung zu haben (und weil sie sehen wollen, wie zum Teufel man einen 90°-Winkel in eine Socke kriegt).

Stricken ist dann nicht mehr wichtig als "Produktion von Objekten", sondern als Zügel, der die Richtung bestimmt. Dass am Ende dieses Weges ein Ergebnis steht, leitet zu der Versuchung, den Prozess dem Ergebnis unterzuordnen. Ich glaube, selbst die passioniertesten Projekt-Strickerinnen riskierten ein zweifelnd Aug, würde Stricken mit Effizienz in Verbindung gebracht. 

Ich jedenfalls zähle nicht, wie viel Zeit ich mit Stricken verbringe, sondern ich lasse mich von der Lebensform des Strickens beeinflussen. Und ich merke, dass mir das die Geduld gibt, auch andere Dinge beim Entstehen zu beobachten und nicht ums Verrecken schnell fertig werden zu müssen. Auch wenn ich froh war, als ich die 80 Säckchen übergeben konnte.

Dienstag, 20. März 2012

Dienstagsfrage 12/2012

Das Wollschaf meint diesmal:
Einmal vom Virus des Stricken´s angesteckt, legt man nicht so schnell die Nadeln wieder zur Seite.
Mit viel Geduld testet man auch gern mal etwas Neues aus.
Doch habt ihr schon einmal ein Muster versucht, und seit kläglich daran gescheitert.
Trotz immer wieder erneuter Versuche, hat es vorne und hinten nicht so aus geschaut wie es sollte, oder die Maschen wollten nicht so wie beschrieben?
Wie viel Ausdauer habt ihr, bis ihr aufgebt?
Sucht ihr nach einiger Zeit nach einem ähnlich ausschauenden Muster oder legt ihr das Projekt ad acta?
Wie händelt Ihr diese Situation?
Vielen Dank an Sylvia für die heutige Frage!

Ich stricke ja noch nicht so lange wieder nach Anleitungen (seit 2008) und bislang ist mir das einmal passiert. Und da habe ich nicht aufgegeben, sondern aufgehört. Das ist ein Unterschied. Ich hab nämlich das Garn noch und mit der Anleitung habe ich eine Rechnung offen, die wird noch gestrickt. 

Es geht um Inishmore von Alice Starmore. Und da war nicht die Anleitung schwierig (okay, bis zu 36 mal pro Reihe Zopfen ist jetzt nicht trivial und vor allem einfach anstrengend, vor allem bei Nadelstärke 5), sondern mein Kopf noch nicht in der Logik von dem Ding und in der Denke von Alice Starmore. Ich konnte mich ums Verr... (piep) nicht entscheiden, welche Größe ich stricke, und hab vor lauter das soll passen, die größte Größe genommen - aber mit sehr viel dickerem Garn. Ergebnis: Das Ding war 73 cm im Rückenteil, was bedeutet, ich hätte darin ungefähr eine 3-Zimmer-Wohnung bauen können. Da ich gleichzeitig auch nicht sicher war, ob ich das Teil nicht doch lieber als Jacke wollte, hab ich es gar nicht so ganz ungern wieder aufgezogen. Jetzt wartet es auf den nächsten Versuch und der kommt bestimmt. Das Garn hat eine geile Farbe, die Jacke wird bombastisch - irgendwann, wenn ich mir wieder mal so ein richtiges Suhlen in Zugmaschen geben möchte (linke Maschen verschränkt ist eine ähnliche Strafe wie 36 Verkreuzungen pro Reihe, das nur nebenher).

Inzwischen habe ich drei andere Starmores gestrickt und sitze an der vierten, jetzt weiß ich ihre Präzision sehr zu schätzen.

Ansonsten habe ich schon sehr schwierige Sachen gestrickt und auch schön geflucht dabei, weil ich den Schnabel so voll genommen habe, von wegen ich muss was Interessantes stricken. Eine Jacke war fast jenseits meines Vermögens. Die war wunderschön, gar nicht schwer zu stricken, aber für eine Größe, die so weit unterhalb meiner eigenen Größe lag, dass ich bis zur letzten Anprobe nicht sicher war, ob ich die wirklich passend hinbekomme. Zumal - und da befinden wir uns dann jenseits des eigentlichen Musters - ich mir dann auch noch überlegt habe, dass ich die anders stricke als angegeben. Erster Versuch großes Fair Isle, Größe außerhalb meines Horizontes und dann direkt improvisieren, das ist irgendwie typisch für mich. Dass das hingehauen hat, dafür habe ich einige Kniefälle vor den Herrscherinnen edler Maschenkunst und goldener Hände gemacht.

Ich finde sowas übrigens nicht schlimm. Irgendwie zeigt das, dass ich zwar ganz schön gut bin in dem, was ich mache, aber nicht annähernd gut genug, um hochnäsig zu werden. Ich hab solide Handwerkskunst drauf und wenn mich der Hafer sticht, gibts von besagten Gottheiten des Strickens und der guten Dinge eins auf die Nase. Ist okay so, das hilft, nicht nur beim Stricken schön mit den Füßchen auf dem Boden und vor allem sich der eigenen Fehlbarkeit bewusst zu bleiben.

Ansonsten gebe ich bei Projekten eher auf, weil ich mich in Muster oder Garn oder beidem vertan habe und die Dinge einfach nicht "liebe". Wenn ich was stricke, muss ich es wirklich mögen, sonst hats keinen Sinn, mich daran zu versuchen. Alles andere würde schlicht ein Gewürge und dafür ist meine Zeit zu schade. Dann lieber einen wenn auch harten Schnitt und eine Alternative suchen, die dann wirklich dem entspricht, was ich mag. Und da gibts noch vieles, was darauf wartet, dass ich es bastle. Unter anderem Inishmore. Als Jacke.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Wollschaffrage 52/2011

Ich stricke gerade ein Zopfmuster und frage mich, was benutzt ihr denn so alles als “Hilfsnadel”. Nur spezielle Zopfnadeln, normale andere Stricknadeln, oder gar andere Materialien???
Vielen Dank an Patricia und das Wollschaf für die heutige Frage!

Öhm, meine Option fehlt: nichts. Ich stricke meist Zopfmuster (oder wandle sie passend ab), für die ich keine Hilfsnadel brauche. Diese Technik zu erlernen kann ich nur heftigst empfehlen, sie beschleunigt das Stricken von Zöpfen erheblich und macht einen unabhängig vom Auffinden eines Hilfsmittels, wenn man grade im Zug nach wohin auch immer sitzt.

Ich habe/hatte weiß der Himmel wie viele Zopfnadeln und finde die so lästig, dass ich keine einzige mehr benutze (die, die ich nicht hergeschenkt habe, finde ich meist nicht, wenn ich sie brauche). Wenn ich mal einen größeren Zopf basteln muss (größer ist alles mit mehr als sechs Maschen), was wirklich selten vorkommt, nehme ich das, was grade rumliegt. Meist ist das dann eine Rundnadel in Nadelstärke 2,0, wenn ich grade was in 6,0 stricke, oder irgendwas ähnlich komplett Unpassendes. Ist aber wurscht, muss ja eh nur kurz drauf und darf gleich wieder runter (wehe, das interpretiert jemand um!!), da juckt mich das wirklich nicht, was ich grade in die Hand nehme.

Dienstag, 20. Dezember 2011

Dienstagsfrage 50/2011

Das Wollschaf fragt heute:

Fertigt ihr gestrickte oder gehäkelte Weihnachtsgeschenke an?
Wann fangt ihr damit an?
Wieviel Zeit investiert ihr dafür?
Wer sind die Beschenkten?
Vielen Dank an Reni für die heutige Frage!

Erste Antwort: Ja
Zweite Antwort: Kommt drauf an
Dritte Antwort: Kommt drauf an
Vierte Antwort: Freunde, Verwandte und all sowas

Nachdem das jetzt ein bisschen arg kurz ist, nochmals die ausführliche Version:

Die erste Antwort müsste lauten: Natürlich fertige ich gestrickte Weihnachtsgeschenke an. Wenn ich diese Möglichkeit doch habe, wäre ich vom blauen Puma gebissen, wenn ich sie nicht nutzen würde, um Menschen eine Freude zu machen.

Die zweite Antwort lautet deshalb "kommt drauf an", weil ich entweder früh im Jahr beschließe, wer was bekommen soll (beispielsweise haben alle weiblichen Menschen in meinem Umfeld 2009 ein Tuch zu Weihnachten bekommen. Weil das viele sind (ich glaub, ich hab in dem Jahr was um die 20 Tücher gestrickt), habe ich damals im Mai angefangen. Und weil ich 2010 fand, dass ich die nicht dauernd mit sowas beglücken sollte, habe ich da dann viel später angefangen. Dieses Jahr habe ich nur Wünsche erfüllt und eine Anverwandte hatte 2009 nur ein Paar Handschuhe bekommen, die kriegt dieses Jahr ein Tuch. Deshalb habe ich erst im November angefangen. Wobei ich einen Pulliauftrag nicht fertig bekomme, das Teil habe ich so oft aufgezogen, da war das nicht zu schaffen. Ich glaube, ich verschenke die Maschenprobe oder den halben Pulli (hab eben im Zug gesessen und dachte, ich müsste das Teil schon wieder aufziehen, weil es nach vielen, vielen zu weiten Versuchen jetzt drohte, zu eng zu werden; war aber nicht, ich darf dran weiterstricken).

Die dritte Antwort richtet sich natürlich nach der Menge dessen, was gestrickt werden muss. Bei den Tüchern ist schon richtig viel Zeit draufgegangen. Vielleicht ist das der Moment darauf hinzuweisen, dass ich nicht darauf achte, nur Leute zu beschenken, die "das zu schätzen wissen" oder sowas. Ich finde, die müssen das nicht, sie dürfen sich einfach an etwas freuen, das ihnen gefällt, ohne die ARBEIT dahinter zu sehen. Denn die ist mein Privatvergnügen. Und wenn wir es ganz genau betrachten, schenke ich deshalb sehr gerne Selbstgestricktes, weil ich gerne stricke. Damit entfällt meines Erachtens die Verpflichtung der Beschenkten, irgendwelche "Ohs" und "Ahs" abzulassen, wenn sie was kriegen, das ich gebastelt habe.

Die einzige Ausnahme von dieser Regel bilden übrigens Leute, die wollen, dass ich meine "Kunstwerke" (wäre jetzt nicht meine Wortwahl, ehrlich gesagt) verkaufe. Das geht nicht, denn obwohl ich bekennende Schnellstrickerin bin, und selbst wenn ich einen Stundenlohn von 5 EUR ansetzen würde, käme ich auf einen Stückpreis pro Tuch, den niemand einigermaßen Zurechnungsfähiges bezahlen würde. Grad mal kurz gerechnet: Ein Tuch normaler Größe und wenig schwierigem Muster kostet mich ungefähr 15 Stunden Arbeit, bei 5 EUR die Stunde sind das 75 Euro für die Arbeit und dann dazu das Material, damit sind wir schnell bei einem knappen Hunni. Nö, das gefällt mir nicht, das will ich nicht ausrechnen. Deshalb verkaufe ich nicht. Lieber verschenke ich. Und ich verschenke halt nicht nur etwas, das sich jemand gewünscht hat, sondern ich verschenke vor allem Zeit und Gedanken daran, was dieser Person gut gefallen würde.

Die vierte Frage hab ich eigentlich schon beantwortet: Ich schenke gerne, an freundliche Leute in meinem Leben, die gerne Gestricktes tragen. Ich glaub, ich hab ein Riesenherz (hab grade vor fünf Minuten zwei Paar Socken verschenkt, eins davon hat mich gefühlte 100 Stunden gekostet, weil ich das Mistzeug dreimal aufgezogen hatte, bis das richtige Muster da dran war) und da freuts mich, wenn ich was zu geben hab, das nicht ganz alltäglich ist. Deshalb hats auch eigentlich schon fast alle Menschen in meinem Umfeld erwischt, dass sie was abbekommen haben. Und ich warte noch auf die Situation, dass jemand sagt oder zeigt, nö, also das wars jetzt wirklich nicht. Sowas hatte ich noch nicht, also schenke ich einfach völlig unverkrampft weiter.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Dienstagsfrage 41/2011

Das Wollschaf fragt:
In den letzten Jahren scheint mir das "Lockerstricken" richtig in Mode gekommen zu sein. Damit meine ich nicht (oder nicht nur) die Tatsache, dass Nadelstärken und Maschenproben von einigen Herstellern oft in einem Bereich angegeben werden, der vor zwanzig Jahren als utopisch oder lächerlich bezeichnet worden wäre. Dies ist ein anderes Thema.
Viel mehr geht es um andere Dinge: Einige Garne, insbesondere sog. Designer-Garne, sind bei genauer Betrachtung nur für Lockerstricker wirklich geeignet – nicht nur Feststricker, sondern auch Normalstricker haben einfach keine Chance, damit umzugehen; viele (immer mehr?) Modelle sind ebenfalls nur für Lockerstricker umsetzbar und gewollt lasch; fertiges Gestrick hängt durchscheinend an Schaufensterpuppen. Viele Strickerinnen, schaut man in Blogs nach ihren Werken, scheinen das Lockerstricken zu begrüßen und gern einzusetzen.
Mich würde interessieren, was am Lockerstricken und am lockeren Gestrick für sie so reizvoll ist. Ist es das Materialersparnis? Gefällt den Lockerstrickern das lichtdurchlässige, im Maschenbild oft weniger regelmäßige Ergebnis etwa wirklich? Und warum?
Was ist dran, am Lockerstricken?

Vielen Dank an Martine für die heutige Frage!


Hmpf, schon wieder eine tendenziöse Frage mit grooooßem Anlauf. Da stehe ich ja drauf. Mir ist noch kein Garn untergekommen, mit dem ich nicht fertig würde, weil ich fester stricke als der Durchschnitt. Und Schnitte, die "gewollt lasch" sind, könnte man auch nur weich fallend nennen, das würde den abwertenden Klang aus der Behauptung nehmen. Scheint aber wieder mehr Provokation um derselben Willen zu sein. Naja.

Wozu diese Abwertung? Es gibt in der Tat Sachen, die muss ich nicht in die Ecke stellen können. Genauso, wie ich andere Sachen gerne griffig und fest mag. Das ist eine Entscheidung für den jeweiligen Stil zum jeweiligen Garn. Auch finde ich nicht alles klasse für mich, aber an anderen gefällt es mir trotzdem.

Aber zu den Fragen:

Ist es das Materialersparnis?
Nö, das ist Stil, vielleicht nicht einer, der jedem gefällt (Martine gefällt er sehr offensichtlich nicht), aber es ist ein Stil.

Gefällt den Lockerstrickern das lichtdurchlässige, im Maschenbild oft weniger regelmäßige Ergebnis etwa wirklich? Und warum?
Tja, übersetzt bedeutet das wohl, Madame Martine gefällt das überhaupt nicht und sie findet, das sollte niemand anderem gefallen, weils mistig aussieht.

Ich mag so Sachen aus zartem Mohair, die in glatt rechts und schön durchscheinend gestrickt sind. Passt zum derzeitigen Lagenlook und putzt Menschen mit dem entsprechenden Stil ungemein. Zu mir passts nicht, aber das heißt nicht zwangsläufig, dass das bei allen bescheiden aussieht. Weniger regelmäßig ist mir noch nicht aufgefallen. Wenn das so ist, stört es nicht. Übrigens könnte ich das wunderbar umsetzen, wenn ich Mohair mit 10er Baumstämmen stricken wollte. Selbst als eher Feststrickerin. Wäre doch mal 'ne Challenge für Martine, das selbst auszuprobieren... nur so, um sich in Toleranz zu üben und eine neue Technik kennenzulernen.

Was ist dran, am Lockerstricken?
Keine Ahnung, das muss jede Strickerin für sich selbst entscheiden. Und ich würde sagen, Stricken  ist deshalb so klasse, weil es eben keine Grenzen setzt, was "geht" oder nicht. In dem Moment, wo ich sowas grundsätzlich ablehne (und die "Frage" schreit gradezu nach "Lockerstricken ist doof"), beraube ich mich eines Teils der Vielfalt. Und das wiederum finde ich doof.

Dienstag, 2. August 2011

Dienstagsfrage 31/2011

Die heutige Garnfarben scheinen mir "unreiner" als in den 80er oder zu Beginn der 90er Jahre. Sie leuchten bei gleichem Farbton weniger, sind "milchiger", "schmutziger", "melierter", "verwaschener". Und bei aller Buntheit ist die Farbwelt der Garne dadurch langweiliger und unscheinbarer geworden. Kaum noch ein Farbton ist wirklich als edel oder elegant zu bezeichnen, es ist viel 08/15 dabei. Die Tatsache, dass immer mehr Farbverlauf-Produkte in immer mehr Variationen auf den Markt geworfen werden, täuscht nur schlecht über die Tatsache hinweg, dass die wirklich edlen Farbtöne einfach nicht mehr existieren. Dabei meine ich nicht den eigenen Geschmack (ob einem Blau, Grün, Braun, Grau oder Pink steht, ist eine ganz andere Frage), sondern die Farbtonqualität. Mich würde interessieren, ob andere das auch so sehen, und ob sich damit das Angebot dem Markt angepasst hat, oder durch Kostensenkungen und andere wirtschaftliche Gesichtspunkte einfach an der Farbqualität gespart wird.
Vielen Dank an Martine für die heutige Frage!

Ähm, das ist keine Frage, sondern eine astreine Meinungsäußerung, verbunden mit der rhetorischen Frage "sehen Sie das auch so?" Auf sowas stehe ich nicht, deshalb fällt meine Antwort heute etwas prononcierter aus.

Aber gut, nehmen wir das Ganze auseinander und sagen meine Meinung dazu.

1. Die heutige Garnfarben scheinen mir "unreiner" als in den 80er oder zu Beginn der 90er Jahre. Sie leuchten bei gleichem Farbton weniger, sind "milchiger", "schmutziger", "melierter", "verwaschener". Und bei aller Buntheit ist die Farbwelt der Garne dadurch langweiliger und unscheinbarer geworden.

Nunja, es lohnt sich, an dieser Stelle sehr zu differenzieren. Bei den Wollmeisengarnen kann ich jetzt nichts milchigeres, schmutzigeres, melierteres oder verwascheneres erkennen als in den Farben der 80er und 90er Jahre. Auch wenn ich die Farbpalette bei den Shetlandgarnen anschaue, ist da einiges meliertes dabei, aber bei näherem Betrachten finde ich da wunderbar klare Farben drunter. Ist jetzt bei einer Farbpalette von stramm 180 Farben nicht ganz so einfach, die zu sehen, aber es geht, versprochen!

Immerhin steht in diesem Satz noch "scheinen mir", der Rest ist dann eher eine vermeintliche Tatsachenbeschreibung.

2. Kaum noch ein Farbton ist wirklich als edel oder elegant zu bezeichnen, es ist viel 08/15 dabei.

Dieser Eindruck liegt im Auge der Betrachterin und der Weite des Horizonts. Für mich gibts da zwei Dimensionen, von denen nur die eine beleuchtet wird, die jedoch meines Erachtens untrennbar verbunden sind: Material und Farbe. Klar kann ich mit einem zur Unkenntlichkeit behandelten Superwashgarn farblich machen, was ich möchte. Aber will ich das wirklich? Was soll daran edel sein? Oder will ich den Charakter des Garnes mit einer Farbgebung untermalen? Ich wär ja für letzteres, denn nur in der Zusammensetzung von Garn und Farbe zeigt sich der wirkliche Adel. Farbe allein ist flach wie'n Bügelbrett, Garncharakteristika stehen schon eher für sich.

3. Die Tatsache, dass immer mehr Farbverlauf-Produkte in immer mehr Variationen auf den Markt geworfen werden, täuscht nur schlecht über die Tatsache hinweg, dass die wirklich edlen Farbtöne einfach nicht mehr existieren.

Tatsachen, soso. Das postuliert, dass die Aussage nicht mehr existenter edler Farbtöne stimmt. Tut sie nicht, jedenfalls nicht meiner Erfahrung nach. Im Gegenteil: heute habe ich die Wahl, wie ich meinen Stil wähle. Ich kann ursprüngliche Garne verarbeiten, ohne dass ich zwangsläufig die "Müslitante" darstelle, ich kann Mischungen wählen und dennoch gediegen wirken, ich kann ein Garn wie Summer Tweed zu einem bürotauglichen Jacket verarbeiten, obwohl das Zeug wirkt zusammengeschmissene Materialreste (strickt sich auch so und am Ende kommt was Großartiges raus, das sich traumhaft trägt). Geht alles. Und für alle Szenarien, edel, robust oder officelook, kann ich die passenden Farben und Farbschattierungen finden.

Was Farbverlaufsgarne mit edlen Farben zu tun haben soll, hab ich nicht verstanden. Grade die verwischen ja die Farben, streng genommen.

4. Dabei meine ich nicht den eigenen Geschmack (ob einem Blau, Grün, Braun, Grau oder Pink steht, ist eine ganz andere Frage), sondern die Farbtonqualität.

Jo, die ist heute vielfältiger als früher, und wenn ich ein bisschen neugierig und offen an die Sache drangehe, statt nach Haaren in der Suppe zu suchen, finde ich auch meine edlen Farbtöne. Gottseidank!

5. Mich würde interessieren, ob andere das auch so sehen, und ob sich damit das Angebot dem Markt angepasst hat, oder durch Kostensenkungen und andere wirtschaftliche Gesichtspunkte einfach an der Farbqualität gespart wird.

Ah, und hier kommt die Frage, sieh mal einer guck. Meine Antwort ergibt sich aus 1. bis 4. Nein, sehe ich nicht so, definitiv nicht. Der Markt hat sich in den letzten Jahren extrem diversifiziert, in Garnqualität und Farbqualität. Das Schöne ist, dass erlaubt ist, was gefällt, und dass es dazu jeweils die entsprechenden Garne und Farben gibt. Ich kann mich lustig in allen möglichen Farben austoben, es mal stilbrüchig, mal stilbetont haben. Die Zeit heute und ihr Angebot ist ein wirklich echter Gewinn, anders kann ich es nicht sagen. Und ich stricke seit Ende der 70er Jahre.

Dienstag, 19. Juli 2011

Dienstagsfrage 29/2011

Nehmt ihr eigentlich an öffentlichen Strickaktionen, wie z. B. dem Knit-in-Public-Day teil? Wenn ja, warum, wenn nein, warum nicht? Ist bei euch jeden Tag Knit-in-Public-Day?
Vielen Dank an Connie für die heutige Frage!

Öhm, also das ist unterschiedlich. Grundsätzlich hab ichs nicht mit lauten Veranstaltungen und vielen Menschenmengen. Deshalb bin ich beispielsweise bei einem Ravelertag definitiv nicht zu finden, da würde mich die schiere Menge an Menschen komplett überfordern.

Auch habe ich gewisse Schwierigkeiten mit symbolträchtigen Tagen. Es gibt sogar den "Welttoilettentag", das finde ich inzwischen dermaßen absurd, dass ich diese Jahrestage eher vernachlässigenswert behandele.

Bei dem Knit-in-Public-Day bin ich entsprechend auch nicht dort zu finden, wo es "hoch hergeht" (wobei, wo tut es das schon?). Kleine, feine Veranstaltungen mit draußen Stricken mit ein paar freundlichen Leuten sind eine ganz andere Nummer. Das ist wie Strickcafé, aber im öffentlichen Raum. Sowas empfinde ich nicht als AKTION, also etwas Bedeutungsschwangeres, sondern einfach als freundliches Treffen mit mir sehr vertrauten Leuten.

Die zweite Frage, ob bei mir jeden Tag Knit-in-Public-Day ist, scheue ich mich etwas zu bejahen. Da könnte ich mir auch die Frage stellen, ob ich jeden Tag öffentlich niese. Beides ist gleichermaßen selbstverständlich und hat insoweit keinerlei besondere Bedeutung.

Ich glaub, wir helfen dem Stricken nicht auf die Füße (wenn das überhaupt nötig ist), indem wir ihm Bedeutung durch öffentliche Aktionen geben. Wir stricken meist nicht, um gesehen zu werden (okay, da gibts natürlich Ausnahmen, aber das sind sehr oft Bugwellenträger und die interessieren mich nicht, hatte ich schonmal hier was dazu geschrieben), sondern um Feines herzustellen und den Prozess selbst zu genießen.

Dienstag, 12. Juli 2011

Dienstagsfrage 28/2011

Ich sortiere gerade meine Strickbuchsammlung neu und finde kein wirklich logisches Ordnungssystem. Daher würde mich mal interessieren, wie andere ihre Strick-Fachliteratur organisieren.
Nach Autor? Nach Sachgebiet (Modellbücher, Mustersammlungen, Techniken)? Falls letzteres, was macht Ihr mit Büchern, die in mehrere Kategorien passen? Oder habt Ihr vielleicht ein ganz anderes System?
Vielen Dank an Tina für die heutige Frage

Ich hab nun nicht soooo viele Bücher, vielleicht 50-100 oder so. Die sind so sortiert:
  • Größe: Ich hab drei hohe Fächer und ein niedriges Fach. Deshalb gibts hier eine natürliche Sortierung. Praktisch, dass da beispielsweise die vier Musterbücher von Barbara Walker in das niedrige Fach passen.
  • Sachgebiete: Bei mir sind das im wesentlichen: Geschichte, Fair Isle, Aran, Lace, Musterbücher und -hefte (letztere sind die einzigen, die nicht in den Stehsammlern sind), dazu ein paar Klamottenbücher (Übergröße und andere) und dann noch den Rest.
  • Abteilung Elisabeth Zimmermann und Meg Swansen stehen zusammen unabhängig vom Thema, da hab ich nämlich alles, was ich zu fassen kriege, inklusive der DVDs (die sind beide einfach grandios).
  • Nicht sooo spannend: Interessiert mich oder möchte ich gern behalten, konsultiere die aber nur, wenn ich sonst nix finde.
  • Zeitschriften stehen extra in Stehsammlern, die brauchen keine Ordnung, außer dass die Nähhefte extra stehen. 
  • Zwei Ordner mit ausgedruckten Anleitungen. Die sind in sich nach Art des Projektes sortiert: Socken, Tücher in vier Kategorien (rund, Rechteck/Quadrat, Dreieck, Faroesertuch), Pullis, Westen, Jacken, Handschuhe und Mützen, Techniken, Mustercharts, der Rest

Dienstag, 24. Mai 2011

Die verstrickte Dienstagsfrage 21/2011

Wie persönlich soll Deiner Meinung nach ein Strickblog sein?
Bevorzugst Du reine Strickblogs, in denen allenfalls noch über verwandte Tätigkeiten (Spinnen, Weben, Färben etc.) berichtet wird?
Wie stehst Du zu Berichten über die Familie, Beziehungen, Problemen,Kindern?
Magst Du Blogs, in denen noch von anderen Themen die Rede ist, die nichts mit faserigen Hobbies zu tun haben?
Vielen Dank an Jinx für die heutige Frage!

Das ist eine wirklich schwierige Frage. Einerseits möchte ich schon die Leute kennenlernen, die hinter den Gestricken sitzen. Andererseits finde ich zu breite Veröffentlichung von Privatem im Internet schwierig. Ich habe kein sonderlich gutes Gefühl dabei, wenn ich Bilder von Menschen mit ihren gesamten Familien sehe. Dafür finde ich das Internet schlicht zu weitläufig. Das Lesen solcher Informationen gehört dazu, ich interessiere mich ja auch für die Menschen in meinem Umfeld und nicht nur für deren Strickzeug.

Für mich selbst gilt, dass ich natürlich in meiner Beschreibung dessen ich selbst bleibe,  was ich ins Internet stelle. Gleichwohl bin ich tunlichst bemüht, Informationen über mich so spärlich wie irgend möglich zu halten. Denn meine Familienverhältnisse sind dann schon meine und gehören nicht in die Öffentlichkeit.

Manchmal entstehen Aufsätze, wenn mich etwas sehr beschäftigt oder traurig oder ärgerlich macht. Da hilft mir das "entpersonalisierte" Formulieren für den Blog zuweilen, damit klar zu werden. Und die zu formulieren macht mir viel Spaß, obwohl ich weiß, dass solche Gedankengänge streng genommen nicht hier rein gehören.

Dienstag, 10. Mai 2011

Dienstagsfrage 19/2011

Hast Du in einer schwierigen Lebenssituation Stricken schon mal als eine Art Therapie empfunden? Magst Du darüber erzählen?
Vielen Dank an Kerstin für die heutige Frage.


Einfache Antwort: nein, noch nie. Stricken erfüllt ganz viele Funktionen in meinem Leben, diese ist nicht drunter.
  • Ich genieße es unglaublich, nur eine Sache tun zu können oder zu müssen.
  • In schwierigen Lebenssituationen war das mein Mittel der Selbstversunkenheit und ist es bis heute geblieben. Selbst in Gesellschaft mit anderen Strickerinnen ist dieses Element da.
  • Stricken macht mich ruhig und ausgeglichener, verlangsamt das Surren im Hirn zum Rhythmus, mit dem ich eine Schlaufe durch eine andere Schlaufe ziehe.
  • Mit Strickzeug in der Hand lässt sich wunderbar runterkommen.
  • Wenns gut läuft, finde ich mich selbst kurz großartig, so in dem Gefühl, guck mal, haste fein hingekriegt. 
  • Ich liebe den kreativen Prozess, der ganz oft sehr, sehr langsam geht, immer wieder Schleifen erfordert, neues Nachdenken, neues Beschließen. Da entsteht etwas unter meinen Händen. Das finde ich nach wie vor unglaublich wunderschön fantastisch. Es gibt wirklich nichts Hektisches im Stricken.
  • Das wesentlichste Element: Mit Strickzeug in der Hand bin ich nie schlecht gelaunt, selbst wenn das nicht so tut, wie ich möchte. Ich weiß, ich komme dahin, wohin ich will, ich brauche nur Geduld und Durchhaltevermögen.
  • Wenn ich abends mein Strickzeug in die Finger nehme, ist das ein bisschen wie Aufatmen oder Heimkommen. Das funktioniert sogar, wenn ich in Gegenwart von Leuten stricke, die dieses Hobby bestenfalls seltsam, schlimmstenfalls uncool finden.

Dienstag, 1. März 2011

Die verstrickte Dienstagsfrage 9/2011

Wie lange tragt ihr im Durchschnitt euer Selbstgestricktes? Oder anders gefragt: Was ist euer ältestes Strickstück? Und was macht ihr mit den Teilen, wenn ihr sie nicht mehr tragen mögt? Verschenken, in die Altkleidersammlung geben oder aufribbeln und etwas Neues daraus stricken? Vielen Dank an Anke für die heutige Frage!

Das ist eine feine Frage oder besser Serie von Fragen:

1. Wie lange trage ich meine selbstgestrickten Sachen im Durchschnitt? Ich würde sagen, der Durchschnitt liegt ungefähr zwischen fünf und zehn Jahren. Manche Sachen gehen mottenbedingt über die Wupper, manche Sachen, grade aus Baumwolle, halten ewig.
2. Mein ältestes Strickstück ist ungefähr aus dem Jahr des Herrn 1985, ein selbstausgedachter Baumwollpulli mit mörderisch großen Armausschnitten. So sieht er aus:

3. Was mache ich mit Teilen, die ich nicht mehr tragen möchte? Da gibt es mehrere Szenarien:

a. mottenzerfressen: Knöpfe raus, wegschmeißen, ohne Gnade.
b. gefällt nicht mehr: Kleiderkammer von der Caritas, jemand anderem gefällt er bestimmt.
c. schon ziemlich zertragen: warten, bis der Garaus kommt, dann siehe a.
d. Das vierte Szenario passiert zuweilen auch dann, wenn ich das Zeug eigentlich noch tragen möchte: Jemand anderem aus meinem Familien- oder Freundeskreis gefällt das Teil: verschenken gänzlich ohne Reue.

Aufgeribbelt und neu gestrickt habe ich bislang nur Zeug, das noch nicht fertig war. Einen kompletten Pulli wieder in Garn zu zerlegen, ist etwas, wo ich nicht glaube, dass ich das könnte oder wollte. Dazu hab ich zuviele Vorräte.

Dienstag, 22. Februar 2011

Dienstagsfrage 6/2011

Das Wollschaf will diesmal wissen:
Besitzt du auch ein variables Nadelset mit auswechselbaren Nadelspitzen und verschieden langen Seilen? Hast du sogar mehrere? Was sind die Vorteile dieser Sets? Gibt's auch Nachteile? Wenn du keines hast – warum nicht?
Vielen Dank an Monika für die heutige Frage!

Ich habe die Knitpicks/Knitpro-Nadeln und davon ziemlich viele in Metall wie in Holz, vor allem natürlich solche in meinen bevorzugten Stärken zwischen 3,0 und 4,5 in kurzer und langer Länge. Dazu viele, viele Seile.

Die Vorteile liegen auf der Hand, oder? Ich stricke ein Bündchen in - sagen wir mal - Nadelstärke 3,5. Danach wechsle ich die Spitzen aus und stricke mit 4,5 weiter. Feine Sache, das. Außerdem ist es sehr fein, in den Urlaub zu fahren und je ein Spitzenpaar mehrerer Nadelstärken nebst einiger Seile mitzunehmen für den gar nicht so unwahrscheinlichen Fall, dass ich Garn kaufe und gleich verstricken möchte. Verwahren kann man die Dinger auch sehr gut, sind nicht diese vielen Seile mit Nadeln in einem furchtbaren Gewirre.

Nachteile hat das System natürlich auch und auch die nicht zu knapp. Mir gehen die Dinger wenig kaputt, aber wenn ich fünf 4er Nadeln in Gebrauch hab, ist es ein Leichtes, mal eben ein weiteres Spitzenpaar derselben Stärke zu kaufen.Auch das mit den Seilen geht total schnell zu kaufen, was den Notstand zuvieler angefangener Projekte nicht grade entspannt.

Dazu kommt, dass die Nadeln sich gerne mal bei besonders schweren oder besonders feinen Strickstücken lösen und sich dann eine besonders diffizil zu rekonstruierende Masche in den Spalt reinbewegt und da eigentlich nicht mehr raus will. Und wenn sie raus will, rutscht die nächste rein. Das ist echter Mist. Auch gibt es einfach ein paar wirklich gute andere Nadeln mit festen Seilen, mit denen ich auch gerne stricke.

Das Set hätte ich mir auch klemmen sollen, dann hätte ich jetzt nicht völlig überflüssige 15-Prügel rumliegen. Die Box dazu hat mir gut gefallen, ist aber genau genommen vollkommen unpraktisch, das wäre also kein Grund gewesen.

Dennoch bereue ich nicht, dass ich die Nadeln angeschafft habe, als Reisenadeln tun die mir wirklich viel Gutes und eignen sich wunderbar für stillzulegende Maschen oder sonstige Besonderheiten, wo man mal nicht direkt weiterstricken möchte. Ansonsten mag ich die anderen Nadeln (Addi und Signature) auch sehr gerne, bin also weder pro noch kontra sehr dogmatisch.

Mittwoch, 9. Februar 2011

Dienstagsfrage am Mittwoch 6/2011

Das Wollschaf fragt diesmal:
Dicke Garne sind momentan “in”, werden in Frauenzeitschriften für die dortigen Modelle verwendet und finden sich verstärkt in Wollgeschäften. Wie hältst Du es damit? Verwendest Du solche Garne? Wenn ja, wofür? Bist Du zufrieden mit den Ergebnissen? Und was ist für Stricknadelstärken Dein Komfortbereich?
Vielen Dank an Jinx für die heutige Frage!

Jesus, Frauenzeitschriften konsultiere ich nur dann, wenn da ganz viele Strickmodelle drin sind. Aber dass dicke Garne beliebt sind, kriege ich schon mit.

Ich halte es eigentlich gar nicht damit, ich stricke es nichtmal, es sei denn, ich "brauche" einen Mantel, dann schon. Hab grade einen in Nadelstärke 6 in der Mache, letztes Jahr habe ich auch einen mit Nadelstärke 6 gestrickt. Die Ergebnisse sind dann meist so, wie ich sie von dicken Garnen erwarte, da ich damit natürlich keine Zugmaschenzöpfe mache, sondern eher gröbere Muster verwende, die dann auch zu dem groben Material passen. Wobei, ich hab auch gerade eine Anleitung in der Mache, wo Garn mit Nadelstärke 5,5 verstrickt wird, das eigentlich eher zu Nadelstärke 4 passt. Das geht dann auch wieder, da ist dann das Gestrick nicht so fest und schwer und es gibt einen interessanten Effekt durch das Spiel mit den Nadelgrößen.

Mein Komfortbereich für Stricknadeln liegt ungefähr um die Nadelstärke 3, also mal 2,5, selten (ähm, grade zurzeit) 2,0, ganz oft 3,25-4. Aber in diesem Bereich, also zwei bis vier oder viereinhalb, ist es eigentlich wurscht, geht alles.

Dicke Nadeln nutze ich meist für Lochmusterstrickerei. Im Winter habe ich versuchsweise mal ein Garn mit Nadelstärke 12 gestrickt. Das tut mir jetzt noch weh, wenn ich nur dran denke! Und meine Nichte hat daraus einen Schal bestellt. Örks. Aber gut, dafür beiße ich in den sauren Apfel.

Dienstag, 1. Februar 2011

Dienstagsfrage 5/2011

Das Wollschaf fragt

Ich beobachte häufig, dass Strickstücke, die von einer Vorlage gestrickt wurden, überschwänglich gelobt werden, auch wenn es ein simples Teil ist, dass hunderte Male im Netz gezeigt wurde.
Selbst entworfene Sachen bekommen häufig sehr wenig Beifall, obwohl da doch richtig Können und Mühe drinsteckt.
Sehe ich das falsch? Und wenn nicht, warum ist das so?
Vielen Dank an Reni für die heutige Frage!


Ich finde nicht die Frage an sich falsch, mir stößt die Bewertung "simpel" doch ziemlich sauer auf.

1. Ein simples Teil, das hunderte Male im Netz rumgeistert, ist mir bislang noch nicht untergekommen. Und das liegt nicht daran, dass ich nicht zwischen einfach und schwierig unterscheiden oder einen Baktus in unterschiedlichsten Formen und Farben nicht sehen kann. Nichts, was jemand handgestrickt hat, würde ich als "simpel" bezeichnen. Ich stricke seit über 40 Jahren und das verhältnismäßig konstant. Wenn ich komplexere Sachen mache, ist das genauso simpel oder schwierig wie ein kraus rechter Schal für eine Anfängerin. Wer bin ich, dann von einem simplen kraus rechten Schal zu reden, wenn diese Anfängerin einen wirklich feinen Schal als Erstlingswerk gezaubert hat? Oder wer bin ich, einen nach Anleitung gestrickten Pullover einer Strickerin nicht zu loben, die normalerweise ein bisschen wenig Durchhaltevermögen hat und und jetzt einen ganzen Pulli ihr eigen nennt? Würde ich hier von "simpel" reden, zeugte das von schlechten Manieren - oder ich hätte die besondere Herausforderung nicht verstanden, mit der sowas entstanden ist.

2. Strickstücke nach Vorlage: Nunja, ich glaube schon, dass ich ein Strickstück ausgesprochen bewundere, das nach dieser Vorlage entstanden ist. Auch bewundere ich es, wenn besagte Anfängerin ihre erste Jacke gemeistert hat und diese passt und sitzt. Ich kann von außen nicht bewerten, was einfach oder schwierig ist, weil da immer noch Elemente in Beziehung gebracht werden müssen, die sich nicht aus dem Strickstück selbst ergeben, sondern aus der Erfahrung der Strickerin, der "gefühlten Herausforderung" und anderem. Nicht zuletzt finde ich, dass Menschen sagen dürfen, wenn ihnen etwas gefällt und das nicht das schwierige, sondern das einfache Teil ist. 

3. Selbst entworfene Sachen bekommen häufig sehr wenig Beifall: Diese Erfahrung habe ich nicht gemacht, wobei in meinem Blog eh wenig kommentiert wird. Bei Ravelry werden solche Sachen weniger gefunden, das ist was anderes und erklärt sich aus der dortigen Suchlogik: Ein selbst entworfenes Stück ist logischerweise nicht mit einer Anleitung verknüpft. Damit schwirrt es in den Untiefen von Millionen Projekten rum. Suche ich nach Inspiration, gibt es die Chance, solch ein Teil zu finden, eigentlich nur über das Garn, nicht über die "pattern"-Suche. Und ich beispielsweise suche nie nach Inspiration über ein Garn, weil da immer ein Haufen Zeug dabei ist, das mich nicht interessiert (also Socken, wenn ich einen Pulli will, etc.).

Den Gegenbeweis zu dem von Reni genannten Beispiel habe ich selbst: Mein bei Ravelry mit Abstand bestbewertetes Stück, die Kaunijacke, ist komplett selbst überlegt (Muster, beide Ärmel mit zwei Steeks, Maschenzahlen, Abschlüsse etc.). Ich hab sie mit dem Kauni Cardigan von Ruth Sorensen verknüpft, weil ich von ihr die Idee habe und es blöd gefunden hätte, das zu unterschlagen. Damit wird sie natürlich gefunden. 

Am stolzesten bin ich - um noch eine weitere ketzerische Behauptung in den Raum zu stellen (die im übrigen stimmt) - auf meinen Adult Surprise Cardigan. Dieses Teil besteht aus gefühlten Milliarden rechter Maschen, ist nach Vorlage gestrickt (ohne hätte ich einen kraus rechten Riesenlappen produziert), das Garn ist selbstmusternd. Die Jacke passt und fühlt sich so an, als hätte ich wirklich etwas Großartiges hinbekommen. Kraus rechte Maschen und Frau Zimmermann hat mir gesagt, was ich machen muss; 40 Jahre Strickerfahrung und das ist das, wo ich wirklich finde, ich habe mich selbst übertroffen, einfach nur deshalb, weil die knapp zwei Kilometer Garn in Nadelstärke 3,5 schön sauber in einer Jacke untergebracht sind und nicht wieder aufgeribbelt in meinem Vorrat liegen.

In Summe wäre meine Antwort auf die Schaffrage heute: Bitte keine solche Wertung. Vielleicht verdient ein Baktus viel mehr Lob als eine noch so komplexe Arbeit, weil die Strickerin sich da durchgebissen hat - oder weil das Ding in all seiner Geradlinigkeit aus Form und Farbe einfach gelungen ist. Wir sollten uns statt dessen lieber drüber freuen, dass die Strickgemeinde so großzügig ist mit Lob, ob für Stino-Socken oder komplexe selbstentworfene Zopfjacken.

Mittwoch, 26. Januar 2011

Dienstagsfrage 4/2011

Was sind eigentlich eure Strickvorlieben? Strickt ihr lieber Kleinteile und Accessoires (also Socken, Handschuhe, Mützen oder Schals) oder darf es was größeres sein (z.b. Pullis, Jacken, vielleicht sogar Mäntel)? Und warum? Wollt ihr mit euren Strickstücken schnell fertig sein, oder das stricken dran so richtig genießen?
Und wie sieht es mit eurer Vorliebe für Muster aus? Mögt ihr am liebsten links-rechts Muster (Rippen oder Perlmuster), oder Zöpfe und Aran-Muster? Oder hat es euch die Löcher-Strickerei angetan?
Vielen Dank an Connie für die heutige Frage!

Hui, das ist eine ganze Menge Fragen, die eigentlich nur zwei sind :-)

1. Kleinteile/Accessoires versus Pullis, Jacken und Größeres:

Ich finde, die Mischung machts. Vor allem bin ich eine sehr robuste Großteilstrickerin, man siehts an meinen gegenwärtigen Projekten: Von achten sind sechs Pullover und ähnliches, eine Socke ist dabei (das müssten eigentlich zwei sein, weil ich ja immer auch eine für mich auf den Nadeln haben will, aber ich habe mich entschlossen, nicht mehr mehr als acht Projekte gleichzeitig zu stricken) und ein Tuch. Gleichzeitig habe ich die Sockenstrickerei für mich entdeckt und bin da mächtig angefixt. Und zwischendurch mal eine Mütze oder ein paar Handstulpen ist eine nette Abwechslung. Sowas landet gar nicht bei meinen Projekten, wiel ich das viel zu schnell fertig habe, um es zu katalogisieren.

Man sollte sich allerdings keine Illusionen machen: Meine derzeitigen Socken, okay, etwas extrem, da Größe 46, haben, wenn sie fertig sind, ungefähr schlappe 30.000 Maschen verarbeitet. Zum Vergleich: Tichiro hat grade vor kurzem über eine Künstlerin berichtet, die Strickgemälde (so genannte woolings) macht. Das Größte hat ungefähr 50.000 Maschen und ist fast so groß wie sie selbst. Wenn ich jetzt dagegen die Maschenzahl meiner Socke halte, ist das nicht mehr ein Kleinteil.

Warum ich so stricke, wie ich stricke, weiß ich gar nicht so genau. Ich mag feine, individuelle Pullover tragen. Gleichzeitig finde ich es schön zu sehen, wie sich ein Stück entwickelt. Manchmal mag ich es aber auch schnell haben. Letzteres ist die Qualifikation für ein Kleinteil.

2. Muster: Rippen, Zöpfe, Aran, Löcher?

Alles, so einfach ist das. Aber auch hier kommts drauf an, welche Jahreszeit ist (Zöpfe im Sommer geht gar nicht), was ich haben möchte und was ich in dem Moment gerne stricke. Deshalb habe ich eine im wahrsten Sinne des Wortes bunte Mischung aus allen möglichen Techniken. Kraus rechts scheidet zurzeit aus, weil zuviel im letzten Jahr gestrickt. Für alles andere bin ich offen, wobei ich dickere Zöpfe vermeide, da ich selbst ja schon ziemlich dick bin und dann nicht unbedingt für noch größere Ausdehung sorgen möchte. Da sind mir kleine rechts-links Muster nach Gansey-Format deutlich lieber. Geht auch schneller und wenn man eine gute Mischung findet, ist das auch nicht mehr langweilig.

Eine Kategorie fehlt, die mir persönlich unglaublich großen Spaß macht: die Farbenstrickerei, also vor allem traditionelles Fair Isle. Das ist dann auch wieder etwas sehr Feines, grade weil sich die Muster ganz langsam aus dem Gestrick entwickeln. Daher ist dies eine meiner Lieblingstechniken. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so viel Spaß daran kriegen würde. Grade als ausladender Mensch fürchtet man sich ein bisschen vor der Unruhe in Mustern. Aber wenn sie klein genug sind, passt das schon. Selbst Musterstreifen gehen da, die versuche ich sonst sehr konsequent zu vermeiden.

Dienstag, 18. Januar 2011

Dienstagsfrage 3/2011

Das Wollschaf fragt heute:
Wäschst und spannst Du alle Deine selbstgestrickten und -gehäkelten Handarbeiten bevor Du sie selbst trägst oder weitergibst?
Vielen Dank an Monika für die heutige Frage!

Ich wasche immer, spanne nicht immer. Waschen gehört zum Abschluss eines Projektes genauso wie Fäden Vernähen. Ich nenne das die Siegeswäsche (Hägar, mein innerer Schweinehund, und ich haben mal wieder ausgefochten, ob man jetzt direkt die Fäden vernäht oder lieber noch wartet und einfach so tut, als sei das Teil fertig; ich habe gewonnen, wenns an die Wäsche geht).

Spannen muss nicht immer sein, manchmal genügt es auch, die Sachen in Form zu ziehen. So spanne ich Pullover nur recht selten. Pullover und Jacken ziehe ich sonst eher zurecht. Wobei ich jetzt eine Art selbstgebasteltes Wooly Board habe, das funktioniert grade für Shetlanderzeugnisse wunderbar. Meist sind grade Fair Isles oder Zopfmuster ein bisschen versunken und blühen nach der Wäsche wunderbar auf. Tücher spanne ich natürlich, so sehr ich kann. Socken spanne ich nicht, die werden aufgehängt wie alle anderen Socken, die ich so habe.

Dienstag, 9. November 2010

Die verstrickte Dienstagsfrage 45/2010

Das Wollschaf fragt heute:

Welche Strickbücher stehen überwiegend in eurem Schrank?
Hier eine Entscheidungshilfe, evtl. für eine Rangfolge:
a) Musterbücher für die eigenen Designs
b) Technik- und Grundlagenbücher wie von Katharina Buss, Hanna Jaacks, Nicky Epstein, etc..
c) Sockenanleitungen
d) Designerbücher wie Starmore, Fassett, Schulz, etc.
e) Magazine und Hefte wie Rowan International, Knitters, Verena, Sabrina etc.
f) Klassiker wie Elisabeth Zimmermann, Barbara Walker, Lisl Fanderl etc.
g) Romane, die das Stricken zum Thema haben
h) Schön bebilderte großformatige Bücher wie Nordic Knitting, Poetry in Stitches etc.
i) Neuerscheinungen, egal welcher Richtung

Das ist mal wieder eine interessante Frage. Vielleicht deshalb, weil ich spontan versucht bin, schlicht "ja" oder "von allem ein bissle" zu schreiben.

Aalso: Musterbücher habe ich alle von Barbara Walker, Omas Strickgeheimnisse, zwei Hefte aus den 1980ern und ein Buch mit Aranmustern. Und alle sind schon zum Einsatz gekommen.

Technik- und Grundlagenbücher hab ich Katharina Buss und eins mit dem Titel "Das große Strickbuch", das es mal in den 1990ern bei 'nem Kaffeeröster gab.

Sockenanleitungen hab ich nicht so viel: Sockenworkshop, Socken aus aller Welt, das Heft von Kate Misgades und Sock Innovation.

Designerbücher und die großformatigen Bücher gehören für mich zusammen. Davon habe ich eine Menge. Viele Starmores, Feitelsen, Poetry in Stitches, Poems of Colour, Big Girl Knits und Nachfolger, Victorian Lace today, A Gathering of Lace, Mason Dixon Knitting, Interweave Knits und unglaublich viele weitere solche. Ich liebe jedes einzelne.

Magazine und Hefte sind schon nicht mehr sooo viele da, ein paar noch aus den 1980ern und 1990ern, ein paar neuere, aber eher nicht soo viele.

Klassiker, ja, auch die: Alle Zimmermanns inclusive DVDs (öhm, Knitter's Almanach hab ich inzwischen dreimal, wobei eins die Jubiläumsausgabe ist), zwei Meg Swansens (das dritte, "A Gathering of Lace", steht ja schon weiter oben) Eins von Lisl Fanderl, Knitting from the Top, alles da und alles heftigst in Gebrauch.

Romane mit Stricken als Thema hab ich nicht. Nur andere, davon aber durchaus hinreichend.

Neuerscheinungen: Ach *greifmirandiestirn, nö, nicht unbedingt. Wenn ein Buch gut ist, will ich es haben, wenns nicht gut ist, brauche ich es nicht. Normalerweise klemme ich es mir, solche neuen Bücher direkt zu kaufen. Abgesehen davon, dass ich schon eine verhältnismäßig große Strickbibliothek besitze, ist es halt auch schwer, jetzt noch wirklich Neues zu finden. Es sei denn, ich würde mich auf das Stricken von Kuscheltieren spezialisieren oder auf einmal unbedingt Decken stricken wollen, finde ich mich schon ziemlich gut ausgestattet.

Eine Rubrik fehlt meines Erachtens: Geschichte. Davon hab ich nämlich auch drei und die lese ich immer wieder gerne. Vor allem "Patterns for Guernseys, Jerseys and Arans" mag ich sehr, aber auch "Fair Isle Knitting" und "The complete book of traditional knitting" finde ich sehr schön.

Und die letzte Rubrik: Kaffeerösterbücher, denn davon habe ich auch fünf und das schon sehr, sehr, sehr lange. Neben dem schon Genannten gab es da mal eine Serie, die hieß "Das große Buch der Handarbeiten" oder so. Davon habe ich auch vier oder fünf und auch die inspirieren mich manchmal noch. In dem großen Strickbuch (Erscheinungsdatum 1995) ist, man mag es kaum glauben, ein irischer Pulli in einem Stück von oben gestrickt. Das Prinzip (Rollkragen zuerst, dann Schulterpassen, dann Körper bis Armausschnitt, dann Körper rund, dann Ärmel) habe ich schon mehrfach gestrickt und ich finds wunderbar als Orientierung, wenn ich beispielsweise einen Pulli von Starmore umdrehen und von oben stricken möchte. Auch Ganseys gehen prima so.

Insofern würde ich keine Rangfolge machen, sondern alle haben ihren Stellenwert. Es gibt kaum eines, das ich nur mal so angucke und dann im Regal vergesse.

Dienstag, 3. August 2010

Dienstagsfrage 31/2010

Ich habe immer so trockene Haut an den Händen (sie sind teilweise ganz weiß). Aber weder sind sie rissig noch jucken sie. Jetzt wurde mir gesagt, das käme vom Stricken. Stricken würde die Haut an den Händen und Fingern trocken machen... Habt ihr auch so Probleme mit trockener Haut? Und wenn ja, was macht ihr dagegen außer ständig einzucremen... Gibt es da einen Geheimtip?
Herzlichen Dank an Claud für die heutige Frage!

Endlich mal wieder eine Dienstagsfrage und es ist Dienstag *hüstel.

Ich habe als Erbschaft meiner Mutter extrem trockene Hände mitbekommen, so extrem, dass mir im Winter, wenn ich nicht ständig mit Melkfett an den Pfötchen hantiere, die Haut zwischen den Fingern reißt und blutet. Dennoch habe ich keinerlei besondere Trockenheit durch das Stricken erlebt und ich stricke teilweise sehr extrem und zuweilen gar nicht.

Die Verbindung Stricken-Trockenheit ist komplett unlogisch. Wovon sollten die Finger ausgerechnet dabei trocknen? Das Fett in der Wolle? Baumwolle, Viscose, Mikrofaser oder Leinen haben kein Fett. Von der Reibung am Material? Dann müsste die Arbeit mit der Computer-Maus auch trockene Finger machen. Passt also irgendwie alles nicht gescheit.

Deshalb kann ich auch keinen Geheimtip geben. Ich gucke nur, dass die Räume anständig belüftet sind, in denen ich sitze (ob ich nun stricke oder Löcher in die Luft gucke, macht dann keinen Unterschied). Außerdem hab ich vor allem für den Winter Luftbefeuchter an der Heizung, das gibt dann ein gutes Raumklima (okay, nur dann wenn die Befeuchter sauber sind). Und wenns ganz hart kommt, stricke ich Kauni. Das Zeug ist so fettig, da werden die Hände von selbst glitschig. Die Steigerung ist eigentlich nur noch Kauni im Sommer zu stricken, da kommt der Schweiß auf den Fingern zu dem Lanolin im Gestrick, damit kriege selbst ich Finger glatt wie ein Babypopo.

Bei Cremes achte ich immer drauf, dass ich tagsüber etwas habe, das extrem schnell einzieht (ich hasse es, wenn die Finger so fettig sind) und nachts hab ich dann eine Fettcreme mit Ringelblumen.

Dienstag, 9. Februar 2010

Dienstagsfrage 6/2010

Manche Sachen beginnt man mit Enthusiasmus und beendet sie dann unwillig oder gar nicht, aber es gibt Modelle, da bedauert man geradezu, wenn sie fertiggestrickt sind. Es geht mir in meiner Frage um den Prozess des Strickens und nicht um das fertige Stück.
Welches war das absolute Lieblingsprojekt, das ihr gestrickt habt? Was hat es dazu gemacht (Garn, Muster, Schnitt ...)?
Habt ihr dann noch ein weiteres Modell gleicher Art gefertigt?
Gibt es auch ein Hass-Objekt?

Herzlichen Dank an Michaela für die heutige Frage!

Ui, hinsichtlich der Lieblingsprojekte ist die Liste lang, daher nur ein paar Auszüge. Ich glaube, ich mag am liebsten, wenn ich im Prozess des Strickens sehe, dass sich da was sehr schönes entwickelt. Oder durch das Projekt sausen, vier Tage Druckstricken und anziehen. Beides hat was, aber an den länger Entstandenen hänge ich doch ein bisschen mehr.

Beginnen wir mit Sweet Jacket. Das war eine deutsche Anleitung, wirklich bescheiden geschrieben und ich musste mir viel selbst zusammenreimen. Hat aber Spaß gemacht, weil interessantes, aber nicht aufwändiges Muster, wunderbar weiche Wolle und ein Häkelteil dran waren. Selbst die Suche nach Knöpfen (es wurden schließlich alte Perlknöpfe meiner Tante) hat sich zum Happening ausgeweitet.

Hidden Cape Cod hatte etwas Magisches. Das Muster war schnell memoriert und das Ganze ist im Urlaub zu einem Buch entstanden. Buch und Pulli gehören bis heute zusammen und ich habe es sehr genossen, das Ding zu stricken, auch wenn die Nadeln und das Garn schon verdammt dünn waren.

Die Faux Russian Stole hat mich zeitweise wahnsinnig gemacht, weil sie beim Stricken so kompliziert zu verstehen war. Als es dann dem Ende zuging, wollte ich sie eigentlich lieber doch nicht fertig machen, weil sie irgendwie ein Teil von mir geworden ist.

Der Beginner's Triangle lag einfach nur schön in der Hand. Kein aufwändiges Muster, dünnes, weiches Garn, die reine Meditation.

Rainblow Pi Are Square ist hingegen ein Projekt, wonach ich süchtig war. Das Ding ist glaube ich an zwei Wochenenden oder so entstanden, ich hätte mich noch weitere vier Meter lang in dem Muster finden können, obwohl ich am Ende stolze 680-700 Maschen auf der Nadel hatte. Da habe ich zum ersten Mal Elisabeth Zimmermanns Bedürfnis verstanden, sich mit einem laaaangen quergestrickten Musterabschluss von dem Projekt zu verabschieden. Das Tuch ist heute mein "Mama ich will auf den Arm"-Tuch.

Bislang habe ich noch nichts davon doppelt gestrickt, ich will unbedingt, aber irgendwie ist die Strickwelt voller neuer Inspirationen, da hat das doch noch nicht richtig hingehauen. Kommt aber noch *hüstel, glaube ich.

Hassprojekte habe ich nicht. Inishmore frustriert mich, weil ich das mit der Größe nicht gebacken kriege, aber das Stricken selbst macht Spaß. Jetzt muss ich nur noch messen und in gleichmäßiger Maschenstärke stricken lernen, dann wird das auch was für mich.

Dienstag, 2. Februar 2010

Die verstrickte Dienstagsfrage 05/2010

In letzter Zeit ist es öfter vorgekommen, dass ich fast am Ende des Wollknäuls "Wollsalat" habe. Ich habe mal von außen das Garn abgerollt, aber auch von innen. Egal wie, es war immer ein Chaos und ich habe dann viel Zeit mit dem auseinandertüfteln verbracht.Meine Frage an euch:Ist euch das auch schon passiert und habt ihr eine Lösung gefunden, wie man es verhindern kann? Herzlichen Dank an Heika für die heutige Frage!

Nunja, manchmal verwuselt sich da schon einiges, aber eigentlich nur dann, wenn ich nicht aufgepasst habe und sich die letzten Fäden verknoten. Ich stricke praktisch immer von innen heraus. Wenns ein Farbverlaufsgarn ist und ich einen Ansatz von außen brauche, wickle ich um. Kurz vor Ende nehme ich das dünne Knäuelchen (bei normal gewickelten Garnen ist das bei ungefähr acht Umwicklungen), halte es oben und ziehe den Faden vorsichtig auseinander. Dann lege ich das Zeug auf den Boden und kann wunderbar den letzten Rest des Garns stricken.

Eigentlich habe ich damit überhaupt kein Problem, wie gesagt, nur dann, wenn ich mal übersehe, wie weit das Garn schon ist. Dann geht das auch noch, aber da muss man halt noch vorsichtiger sein und im Zweifelsfall den Rest von außen nach innen abwickeln und auf den Boden legen. Ist einfacher bei dickeren Garnen. Bei dünnen Garnen kann einen das schonmal in den Wahnsinn treiben, wenn man Fädchen für Fädchen den Rest des Knäuels auseinandernimmt und weiß, dass man jetzt den Rest des Abends stricken muss, bis das Garn aufgebraucht ist. Aber so richtig knotig hatte ich es mithilfe dieser Technik schon lang nicht mehr.